Eva Pankok

Im Dienst und in der Liebe für das Werk ihres Vaters

Eva Pankok

Die Künstlerin

Nach dem Tod ihrer Eltern führte Eva Pankok deren Ethos auf selbstverständliche Weise fort, eine wachsame Hüterin und engagierte Vermittlerin des Werks ihres Vaters. Sie hat Haus Esselt zu einem lebendigen der Begegnungen gemacht.

Eva Pankok – eine Malerin, die immer im unmittelbaren Dialog mit ihrem Motiv stand, sie war keine Ateliermalerin. Sie malte nass in nass, was oft ein Ineinanderfließen mehrerer Flächen bewirkte, hier expressiv dynamisch aufgetragen, dort vorsichtig einfühlsam. Das Nebeneinander vieler Farbnuancen – vor allem der Farbe Grün, dem dominierenden Farbwert der Natur – wird deutlich. Doch es wird schnell klar, man stößt an Grenzen, wollte man sie in Gesetzmäßigkeiten oder eine bestimmte Stilrichtung drängen.

"Eine Synthese aus Expressionismus und Impressionismus"

Nach ihrer eigener Aussage hat sie der Kulturphilosoph Max Picard wohl am treffendsten gekennzeichnet: „Du bist eine Synthese aus Expressionismus und Impressionismus.“ Doch es ist müßig, Eva Pankok genauer einordnen zu wollen, denn letzlich folgt sie keinem vorgegeben Anspruch, keinem künstlerischen Programm.

Pont Julien (Provence) - 1980 (Öl auf Leinwand)

Eva Pankok – Pont Julien (Provence) – 1980 (Öl auf Leinwand)

Eva Pankok - Sintilager, Höher Weg in Düsseldorf - 1949 (Aquarell)

Eva Pankok – Sintilager, Höher Weg in Düsseldorf – 1949 (Aquarell)

Ev Pankok - Haus Esselt in Hünxe Drevenack 1959 (Öl auf Leinwand)

Eva Pankok „Haus Esselt – Garten mit Katze“ – 1987, Öl auf Leinwand Biografie „Mein Leben“ / Droste-Verlag

Die Malerin

Hineingeboren in ein Elternhaus, in dem Bild- und Wortkunst wie selbstverständlich viel Zeit und Raum des Alltags füllen, wächst Eva Pankok ganz natürlich, unbewusst in ihre Mission der Künstlerin hinein. Bereits mit 16 Jahren entscheidet sie: „Mein Beruf ist die Malerei.“

Aber die Zeit, es ist Krieg, erlaubt ihr noch nicht, ihren Enschluss unbeeinträchtigt und kontinuierlich zu verweiklichen. Doch nach dem Krieg verfolgt sie ihr Zier ernsthaft. So zeichnet sie auch – wir ihr Vater – 1948 of im Zigeuerlager am Höherweg in Düsseldorf. Sie hält das Leben und die Gesichter ihrer fungen Zigeuerfreunde im Bild fest. Die Motive ähneln denen ihres Vaters, aber sie zeichnet in Farbe (damals noch Aquarellfarbe). Ihre eigene Jugend erlaubt ihr, duch das Leid der Jugendlichen hindurchzuschauen und deren Schönheit und Lebensgefühl ungebrochen in Bildern wiederzugeben.

Gelebte Menschlichkeit

Eva Pankok konstruiert nicht. Die von ihr gewählten Motive, ihre ungewöhnlichen Blickpunkte weisen darum viel mehr auf das Wesentliche hin, verkünden sie doch, dass sich hinter dieser Malerei ein Mensch verbirgt, der geprägt ist von einer tiefen Liebe zur Natur. Die geschauten Orte und Dinge sind empfunden. Sie haben eine Seele, weil sei ein Strahlen, eine Heiterkeit von innen heraus besitzen.

Lebensdaten

1925

14. Juli: Geburt in Düsseldorf

1936

Verfolgung der Eltern durch die Nazis; beide erhalten Berufsverbot

1938

Flucht nach Bokeloh (Emsland)

1940

Missglückter Emigrationsversuch der Familie in die Schweiz

1941

Rückkehr nach Bokeloh

1942

Übersiedlung nach Pesch (Eifel), Entschluss Malerin zu werden

1948

Rückkehr der Familie nach Düsseldorf

1948- 49

Malen im Zigeunerlager am Höherweg in Düsseldorf

1950 - 53

Jährlich Aufenthalte in der Provence (mit dem Vater und allein)

1954

Malaufenthalt mit der Familie
in Ohrid (Mazedonien)

1956

Malaufenthalt mit der Familie in Ulcinij (Montenegro)

1957

Malaufenthalt an der Schlei und der Ostsee

1958

Einzug der Familie in Haus Esselt in Hünxe-Drevenack am Niederrhein

1959 - 60

Künstlerisches Schaffen in Haus Esselt

1961 - 63

Hollandreise. Veröffentlichung des autobiographischen Buches: "Stern und Blume"

1965

Malaufenthalt in der Vaucluse (Provence)

1966

Malaufenthalt Melrand (Bretagne), letzte gemeinsame Reise mit dem Vater

1967 - 68

Errichtung des Otto-Pankok-Museums (gemeinsam mit der
Mutter)

1969 - 71

Malaufenthalte in der Provence

1972

Malaufenthalt auf Korsika

ab 1975

Jährlich Malaufenthalte in der Provence

1985

Tod der Mutter Hulda Pankok,
Übernahme der Direktion des Otto-Pankok-Museums in
Hünxe-Drevenack

2016

Tod von Eva Pankok am 16.02. in Wesel

"Die beiden letzen Maler"

Natürlich reift in Eva auch die Überlegung, Studien auf einer Akademie, bei einem Meister zu absolvieren. Es verwundert aber wenig, dass sie sich letztlich dagegen entscheidet, hat sie doch den Meister an ihrer Seite. Aber weit gefehlt, wenn man glaubt, er schaut ihr auf die Finger. Er gibt nicht vor, setzt keine Maßstäbe, diktiert nicht. Nein, auch hier bleibt er als Vater dem Grundsatz der Eltern treu: „Wir wollen nie etwas von dem Kind verlangen.“ Er fördert durch Vorleben, durch ein Miteinanderleben und erleben. So erfährt sie eine große Freiheit. Gemeinsam erspüren sie die Reichtümer der Natur und empfinden sie als ein Geschenk, ein Kunstwerk in sich, das zu erhalten und nachzuahmen sich lohnt. Es folgen große Zeitabschnitte gemeinsamen Schaffens.

Häufig zieht es sie in südliche Länder u. a. nach Frankreich, Mazedonien, Montenegro. Oftmals werden sie begleitet von Hulda Pankok, häufig von Studenten des Vaters oder Freunden. Während Otto Pankok sich neben der Natur auch immer wieder den Menschen widmet, die ihn aufgrund ihrer Lebensgeschichte berühren, konzentriert sich Eva Pankok schon früh auf die Landschaftsmalerei, worin aber Mensch und Tier eingebunden sind. Beiden gemeinsam ist, dass sie gegenständlich in ihrer Kunst bleiben. Otto Pankoks Aussage dazu: „Wir sind die beiden letzten Maler“ soll sagen, dass sie sich in der Ablehnung der abstrakten Moderne einig sind.

Die Landschaften der Provence bedeuteten ihnen eine Oase des Friedens und der Unzerstörtheit. Sie heilte Wunden nach all den schmerzlichen Erfahrungen des Krieges. Eva Pankok zog es seit jener Zeit immer wieder in die Provence . Sie fand dort schließlich sogar durch den Erwerb eines Häuschens eine zweite Heimat, wo sie sich in Ruhe der Malerei widmen konnte, da Haus Esselt mit seiner Betriebsamkeit ihr nicht diese Zeit gönnte.

Humanitäres Elternhaus

Eva Pankok wächst heran mit dem Schutz und der Geborgenheit eines Elternhauses mit eindeutig humanitärer Orientierung. Vater wie Mutter sind aktive Streiter für die Freiheit des Einzelnen, für die Achtung der Menschenwürde. Vorbilder des humanitären Geistes bilden Beispiele für ihr Leben in schöpferischer Wachsamkeit, Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit. Sie teilen es mit vielen gleichgesinnten Freunden. Eva Pankok wächst in dieser Atmosphäre des praktizierten Humanismus auf, auch noch in einer Zeit, in dem das Zerstörerische und Menschenfeindliche um sich greift. Otto Pankok, der ständig auf der Suche nach Wahrheit ist, sieht wachen Auges das Böse auf den Menschen zurollen. Er ahnt und prophezeit: „Die Welt treibt höllenwärts.“ Aber diesem beginnenden Bösen setzen Hulda und Otto Pankok ihre aktive Verbundenheit mit den Vergessenen, Herabgesetzten, Bedrohten entgegen. In Bild und Wort klagen beide die ethischen, politischen und moralischen Schwächen des bedrohlichen Regimes an.

Vertraut mit dem humanitären Gedankengut – muss Eva fast noch als Kind erfahren, dass gerade dieses starke Widersacher findet. Sie durchlebt mit ihren Eltern Bedrohung, Flucht, Angst. Um so mehr werden für sie Solidarität, liebevolle Zuwendung und Zusammenhalt zu wahren Werten. Über allem aber steht das unantastbare Gefühl, das die Gemeinschaft in Liebe jeder zerstörerischen Macht trotzen kann.

 

Eva Pankok - RIGO 1949 (Aquarell)

Eva Pankok – RIGO 1949 (Aquarell)

Eva Pankok - Lilien zu Pappas Geburtstag 1966 (Oel auf Leinwand)

Eva Pankok – „Lilien zu Pappas Geburtstag“ 1966 (Oel auf Leinwand)

Eva Pankok - Mich betrachtender Esel (Provence), 2000 (Oel auf Leinwand).jpg
Eva Pankok – „Mich betrachtender Esel“ (Provence), 2000 (Oel auf Leinwand)

Kleine Erinnerung
an einen Maltag

„Ich werfe ihr das grüngestreifte Sackkleid über, stülpe ihr den grünen Hut über ihr weißes Haar, sie schlüpft in ihre weißen Schuhe – fehlt noch die blaue Schürze. Ihre Malkeidung, die die Ur-Farben eigentlich nur noch ahnen lässt, ist – übersät mit unzähligen Farbklecksen – Zeuge einer langen Künstlergeschichte.

Im Schutz wilder Heckenrosen hat sie sich im äußersten Winkel ihres Gartens niedergelassen, zur Linken Palette und Pinsel, zur Rechten Farbtubenkiste auf steifem mit Pinselreiniger durchtränktem Leinen von zwei Maihockern. Sobald sie die Leinwand vor sich weiß, ist alles um sie herum vergessen. Ein Lächeln fliegt zu mir herüber, dann taucht sie ein in ihre Welt des provenzalisch blauen Himmels und ihrer unnachahmlichen Grünschattierungen.

Grün: beruhigend, ausgleichend, Grün: das Gemisch aus Blau und Gelb – den Lebensgefühlfarben der Provence, Sonne und Himmel in verbindendem Licht. Welcher Tiefe, welchem Geheimnis ist sie beim Schwelgen in diesen Farben auf der Spur?

Zu dieser Welt, ihrer Seele, gibt es keinen Zutritt. Sie verteilt Farben, mischt, kramt in ihrer Kiste. Sie knurrt. Es fehlt eine entscheidende Farbe. Endlich: Grüne Erde.

Ihr Motiv stimmt sie mild: Eine sich dahinschlängelnde Straße, Zypressen am Wegesrand, eine Wiese, im Hintergrund verflüchtigen sich Berge konturlos im Himmel. Die fast gestreckten Finger ihrer Linken skizzieren mit leichtem Pinselstrich. Sie entwirft, gestaltet, korrigiert wenig, verfeinert höchstens, nuanciert viel. 40 Grad im Schatten. Ihr Blick respektiert die Atmosphäre. Es ist der Blick für Natur in Farbe, für farbenfrohe Natürlichkeit, für in Farbe getunkte Wahrheit. Sie arbeitet ruhig und großzügig, eingehüllt in friedvolle Stille.

Die Hitze flimmert. Ich wage es: “ Etwas Wasser?“ „Brauch ich nicht.“ Sie malt; warum sie dabei auch Hände, Unterarme und Knie farbgleich zur Leinwand anpinselt, bleibt ungeklärt. Die Sonne sinkt. Sie sucht mit gerunzelter Stirn.

 

Eva Pankok - Eva malt 2013

Es fehlt der I-Punkt, das entscheidende kleine Etwas, das ein Bild erst leben lässt. Das Auge entdeckt die kleine rote Blume auf verbrannter Erde. Fertig.

Sie hebt die Augen und lächelt. Einmal ihr Werk beendet, denkt sie nicht mehr darüber nach. Es lebt sofort, unmittelbar in seiner Einzigkeit und Echtheit. Im Hause befreit sie Hände von Farbe und Seele vom Schauen. Sie setzt sich nieder und betrachtet ihr Werk – ein großer Pernod und eine Gauloise. Sie ist zufrieden.

(Auszug aus der Rede von Annette Burger zur Ausstellung im Gildehaus am 19.06.2005 zu Ehren des 80. Geburtstages von Eva Pankok)

 

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