Die "Passion" ist der bedeutsamste und wohl bekannteste Zyklus des Pankokschen Werkes. Seine Darstellung von Demütigung und Leiden in den 60 Episoden aus dem Leben Christi ist programmatisch grotesk. Pankoks Diskurs vereint Ethik und Emotion. Seine Anklage ist unmissverständlich - die Jüdin Maria, die Mutter Gottes, verkörpert die Zigeunerin Ringela, die später in Sachsenhausen ermordet wird, den Juden Jesus am Kreuz (Bild 54 der Passion) verkörpert der Maler Karl Schwesig (1898 - 1955), der von den Nazis auf Grund seiner kommunistischen Sympathien verhaftet und gefoltert wird. In Pankoks Wiedergabe der biblischen Geschichte sind Juden, Zigeuner, Kommunisten und Künstler "das göttliche Ebenbild", ihre Folterer sind die "Gefallenen", sie tragen die Züge der Gestaposchergen. Pankoks "Passion" ist ein Akt des Mutes.

Nachdem fünf Bilder des Zyklusses aus der Ausstellung "Westfront 1933" auf Weisung des "Kampfbundes für deutsche Kultur" zunächst entfernt, dann endgültig abgelehnt werden, vollendet Pankok den Zyklus (1934) und stellt ihn trotz Ablehnung 1935 in Münster aus. Auf der nächsten Station in Mülheim/Ruhr wird die Ausstellung auf Anordnung der Partei vorzeitig geschlossen. 1936 bringt der Berliner Verleger Gustav Kiepenheuer die "Passion" in einem Bildband heraus. Die Einleitung soll Pater Friedrich Muckermann, ein Wortführer des katholischen Widerstandes gegen die Nationalsozialisten, schreiben. Muckermann muss ins Ausland fliehen. Pankok verfasst selbst das Vorwort. Die SS-Zeitung "Das Schwarze Korps" greift 1937 die "Passion" in einem Hetzartikel als die "Gotteslästerung 1936" an. Als Folge werden die Bücher beschlagnahmt und vernichtet. Pankoks Wohnung wird von der Gestapo durchsucht. Er versteckt die 60 Kohlegemälde bei Freunden, die bereit sind zu helfen. 1940 hofft er, die "Passion" in der Schweiz sicher unterzubringen, der Emigrationsversuch missglückt aber. Nach dem Krieg wird der Zyklus immer wieder ausgestellt. Seit 1970 erscheinen mehrfach Buchausgaben des Werkes, das heute als wichtiges Dokument des Widerstandes gegen das NS-Regime betrachtet wird.